
Naiaras Queste
Kurzhörspielserie Scripte und Rollenübersicht
Wer will an der Serie mitschreiben?
Erstes Hörspiel ist auf YouTube
Scripte:
Ziele
Kurzhörspiel · 12 - 15 Minuten
Geräusch: Grossraumbüro. Summen der Klimaanlage, gedämpfte Telefongespräche auf Englisch im Hintergrund.
Geräusch: Anstehender Termin bei Outlook
Szene 1 – Vor dem Gespräch | 00:00–00:45
Mara (aufgeschreckt):
Oh nein! Zielvereinbarungsgespräch mit Kuno! Diesem TROLL!
Mara (zum Zuhörer gewandt im Office-Talk Stil):
Welche Ziele hat er eigentlich für mich?
Software-Development ist definitiv nicht seine Stärke. Er ist gut im Networking – hat Millionen Follower auf astralcodex.space.edu und rightwing.space.edu. Sein Content dort? Echt weird. Schlimmer als Bostrom und Thiel zusammen.
Neo-eugenisch geprägter Transhumanismus, techno-utopischer Expansionismus der an techno-dystopischen Nihilismus grenzt.
Mara (ernst):
Für mich ist klar: Unsre Spezieees, die Kuno so toll findet, wird bedauerliches
Opfer des Klimawandels. Bevor die erste Mars-Siedlung steht, ist die Erde
unbewohnbar. Dann ist es aus mit unsrer Spezieees.
Mara (angeekelt):
Ich hasse seine Vorträge!
Mara (selbstkritisch):
Aber ich höre brav zu, schleime und denke an mein absurd hohes Gehalt.
Mara (singt):
In fünf Jahren: Early Retirement!
Mara (zum Zuhörer gewandt im Stil einer CNN-Moderatorin):
Heute ist der 02.03.2030, ich bin Mara Steiner, Teamlead Development bei PromethAI.
Bevor Doktor Kuno Keller vom Space Overlord persönlich zum Head of Zürich gekürt wurde, hat er rechtsextreme
Trollkampagnen koordiniert. Doktor Walter Brand, der damaliger Head of Zürich bei
PromethAI, nannte ihn Netzpropagandaminister.
Mara (nachdenklich):
Walter und andere High-Performer sind jetzt weg und ich bin aufgestiegen.
Szene 2 – Die Beurteilung | 00:45–02:30
Geräusch: Schritte auf Flur. Tür öffnet sich.
Kuno (nüchtern):
Komm rein, Mara. Setz dich.
Mara (höflich):
Danke.
Geräusch: Stuhl wird gerückt.
Kuno (kontrolliert):
Wie geht es dir?
Mara (zögernd):
Ehrlich?
Kuno (trocken):
Das wäre ein guter Anfang.
Mara (angespannt):
Ich bin nervös.
Kuno (kühl):
Kein Wunder. Deine Leistungen sind …durchwachsen.
Mara (verletzt):
Durchwachsen?
Kuno (sachlich):
Du arbeitest viel. Niemand bestreitet das. Aber du suchst ständig den Konsens.
Das wirkt schwach.
Mara (sachlich):
Mein Team ist kompetent, der Konsens reduziert mein Risiko.
Kuno (etwas milder):
Das ist... zumindest eine ehrliche Antwort.
Szene 3 – Fortschritt und Schwäche | 02:30–05:00
Geräusch: Stuhlrücken auf Teppich, Kuno steht auf.
Kuno (schwadroniert):
Der wahre Fortschritt ist die Veränderung des Menschen selbst. Alles kann
verbessert werden. Das gilt auch für dich.
Wir wollen unsre biologischen Grenzen überwinden und unsren Geist in neue Dimensionen erheben. Unsre Körper werden vor Kraft und Ausdauer nur so strotzen und du bekennst dich zur Schwäche?
Mara (emotional):
Ja, ich stehe zu meinen Schwächen.
Kuno (hart):
Schwäche passt nicht zu deiner Position.
Mara (aufgebracht):
Verständnis, Loyalität, Mitgefühl halten Teams
zusammen, nicht Stärke.
Ich kämpfe sechzig Stunden die Woche. Und ich bin besser geworden. Ist dir das
entgangen?
Diskreter Signalton.
Kuno (abrupt):
Sorry, das ist wichtig.
Pause.
Kuno (laut):
ENDLICH!
Szene 4 – Der Auftrag | 05:00–06:15
Kuno (gereizt):
Walter Brand der die Rechtsnetz-Allianz sabotiert
hat... dieser Terrorist... ist wieder aufgetaucht. Palantir meldet eine
Mail... an ihn von seinem Cousin Karl! Wir haben eine Spur! Geh ihr nach!
Kuno (beiläufig):
Das Gespräch führen wir später weiter.
Mara (zaghaft):
Dafür hab' ich meine Leute.
Kuno (nüchtern):
Nein, das machst DU. Wir dürfen KEINE Zeit verlieren, du kennst Walter.
Szene5 – Bruch im Gespräch | 06:15–07:30
Kuno (Einschüchternd):
BRING MIR DIE ADRESSE!!
Kuno (beiläufig):
Wenn du Glück hast, dauert das keine fünf Minuten.
Mara (eingeschüchtert):
Und wenn ich länger brauche?
Kuno (deklarierend):
Was ist Zeit? Bald ist der Marrrs besiedelt. In hunderttausend Jahren werrrden
die Grrrenzen des heute Vorrrstellbaren überschritten sein! Und unsere Spezieees wird UNZÄHLIGE Zivilisationen
hervorgebrrracht haben.
Mara (schleimt):
Das glaube ich auch.
Kuno (schwülstig):
Ich will das Ergebnis möglichst schnell, bin aber geduldig wie ein
Jäger.
Kuno (knapp):
Doch jede Sekunde, die Pioniere des techno-utopischen Expansionismus heute verlieren, hat einen ungeheuren Hebel. Also BEEIL dich.
Szene 6 – Die Spur | 07:30–15:00
Geräusch: Flur. Schritte entfernen sich. Bürolärm rückt wieder in den Vordergrund. Eine Glastür wird geöffnet und geschlossen.
Mara (zum Zuhörer gewandt):
Kuno, der Netzpropagandaminister, jagt Walter, den green-minded Giant. Walter hat PromethAI mit seiner Algorithmic Leadership den Marktzugang verschafft, und
SEIN radikales Energy-Efficiency-Mindset hat uns
während der Energiekrise einen massiven traction gain beschert. Zur
Verblüffung unsrer Konkurrenz. Wir waren die Könige der Branche!
Mara (resigniert):
Seit Kuno Head ist, laufen wir Allen hinterher.
Mara (zu sich selbst, entschlossen):
Wie ich jetzt Walter hinterherlaufe. Mal sehen, ob ich ihn finde.
Mara (flüstert):
Das Palantir-Passwort kann ich mir nicht merken. Ich hab's auf dem Notepad gespeichert.
Geräusch: Tastatur.
Mara (zu sich selbst):
Da ist die Nachricht.
Mara (leise fluchend):
Verdammt, keine Mail. Ist das überhaupt möglich? Wie hat er das geschafft? Er
kann zaubern!
Geräusch: Mausklicks.
Mara (erstaunt):
… mit kleinen Fehlern, wie Bibi Bloxberg!
Mara (thriumphierend):
Ätschibätsch! Mail-Attachment übersehen!
Mara (nachdenklich, fragend):
Ein Foto. Titel Fund60_KM_Archiv_Radebeul. Beschreibung: Froschartiger Talisman. Jadeschnitzerei aus dem
Amazonasgebiet.
Mara (vertieft):
Was sagt unsre AI dazu: Archiv der Karl-May-Stiftung. Nicht zu
verwechseln mit dem 1965 gegründeten Karl-May-Archiv in Göttingen. Das
Radebeuler Archiv ist offiziell für Fördermitglieder der Stiftung zugänglich,
aber in Wahrheit hermetisch abgeriegelt. Quelle: Reddit.
Die Google Bildsuche meint, bei der Jadeschnitzerei handelt es sich
um ein Muiraquitã-Amulett mit kultischer Bedeutung.
Geräusch: Wählmelodie, zweimal Freiton.
Kuno (Telefonstimme):
Mara. Schon fertig? Das ist der richtige Spirit!
Mara (beschwichtigend):
Leider nicht. Ein Attachment der Mail habe ich gefunden, der Rest ist weg.
Kuno (Telefonstimme verärgert):
Verdammt! Wie geht das? Kann man was mit dem Attachment anfangen?
Mara (ehrlich):
Keine Ahnung. Es ist ein Bild von einem Artefakt aus dem Archiv der
Karl-May-Stiftung in Radebeul. Dort müsste es einen Hinweis auf Walters Adresse
geben. Zur Verwirrung gibt es noch ein öffentlich zugängliches Karl-May-Archiv,
das aber irrelevant ist. Das in Radebeul ist komplett offline, niemand darf
rein. Laut Reddit gibt es dort zu viele Hinweise auf Mays geistigen Verfall.
Kuno (Telefonstimme, verärgert):
Ah, diese weltfremden Philanthropen!
Kuno (nachdenklich):
Fahr nach Radebeul… ruf mich an, wenn du dort bist… Vielleicht kann ich dir
über… meine Parteifreunde Zutritt verschaffen… Andernfalls hängst du dich an
diesen Karl.
Mara (empört):
Und wer führt mein Team, solange ich weg bin?
Kuno (überdreht):
Die AI. Unser neuer Team-Lead-Agent. Den hast du doch selbst entwickelt… Und du
bleibst... remote… Und führst weiterhin das Stand-up!
Mara (entsetzt):
Das ist nicht dein Ernst! Der ist doch noch lang nicht fertig! Das wird eine
Katastrophe!
Kuno (zynisch):
Das ist Agile Development… Wir nutzen ihn ja nur intern… Wir sind
die Alpha-Tester.
Mara (entsetzt):
Wenn der Agent schon irgendetwas könnte, hätte ich ihn zum Testen freigegeben!
In meinem Team haben Einige das Zeug zum Lead. Nimm die! Der Agent taugt
nichts!!!
(Aufleg-Geräusch)
Kuno…, bist du noch dran?
(Pause)
Mara (wütend): Du fucking Underperformer!
Naiara Ini
Kurzhörspiel · 12 - 15 Minuten
Ankündigung wie bei Doku-Hörspiel:
Naiaras Initialisation
Ort: Amazonasbecken, 27. Februar 2030
Handelnde Personen:
Naiara, Initiandin, 18
Caipora, Lehrerin und Meisterin, Wissende der Eingeborenen, 75
Szene 1 – Die Bestellung | 00:00–00:30
Geräusch: Leises Rauschen des Amazonas, Mövenschreie. Naiaras Stimme ist zunächst zögerlich, wird dann bestimmter.
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
27. Februar 2030. Heute beginnt meine Initialisierung. Caipora – die Lehrerin,
die Meisterin, die Wissende, die Alte – hat mich nach Belém bestellt. Von dort
fahren wir mit der Fähre nach Macapá und durchqueren das Amazonas-Delta.
Geräusch: [0:15] Pause. Das Geräusch einer Fähre, die ablegt.
Szene 2 – Die Fähre | 00:30–01:40
Geräusch: Dröhnen von Schiffsmotoren, Wasserplätschern.
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
Ich freute mich an der üppigen Natur in Ufernähe und suche nach Flussdelfinen.
Gibt es keine mehr, oder scheuen sie den dichten Schiffsverkehr? Die Fahrt
dauert 28 Stunden. Vielleicht sehe ich noch einen.
Geräusch: [1:20] Ein langes, metallisches Signal – Ankunft in Macapá.
Szene 3 – Der Bus nach Oiapoque | 01:40–03:10
Geräusch: Busmotor, holprige Straße, ferne Stimmen.
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
Von Macapá geht es mit dem Amazon-Bus nach Oiapoque. Der Weg ist fast komplett
asphaltiert. In den ersten zwei Stunden der Fahrt sehe ich viele Siedlungen und
Weiden. Dann rückt der Wald näher, doch ich spüre: Die Straße hat ihm viel
Kraft geraubt.
Geräusch: [2:10] Kurze Pause. Geräusche von Bremsen, Türöffnen.
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
Vertriebene Eingeborene, Opfer der Abholzung, leben an den Tankstellen, an
denen der Bus hält.
Geräusch: [2:45] Ein Seufzer.
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
"Trostlos!", dachte ich, im selben Moment höre ich Caipora:
Caipora (leise, aber deutlich):
"Trostlos."
Geräusch: [3:00] Zwei schnelle Buswechsel: Türgeräusche, Motorstart.
Szene 4 – Kourou: Das Raumfahrtzentrum | 03:10–05:40
Geräusch: Schritte auf Metall, gedämpfte Stimmen, das Summen von Maschinen.
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
Nach zwei Buswechseln in kurzer Folge nehmen wir ein Taxi zum Raumfahrtzentrum
in Kourou. Dort erwartet uns ein domestizierter Eingeborener als Führer.
Caipora (commandierend):
"Präg dir das ein!"
Naiara (zum Zuhörer gewandt, gespannt):
Sagt Caipora immer wieder zu mir. Bei den Startrampen, an den Anlagen zur
Startvorbereitung und Missionskontrolle, beim abschließenden Vortrag, bei den
Erklärungen über die Raumfahrtaktivitäten und ihre Auswirkungen auf die Umwelt.
Vortragender (monoton):
"Stellen Sie Fragen zum Vortrag."
Caipora (laut, damit alle es hören):
"Hat die ESA ein Kaufangebot von SpaceX für das Raumfahrtzentrum erhalten
und abgelehnt?"
Vortragender (entschuldigend, nervös):
"Stellen Sie eine schriftliche Anfrage an die ESA."
Geräusch: [4:45] Plötzliches Rascheln: Caipora greift in ihre Tasche.
Naiara (zum Zuhörer gewandt,
überrascht):
Zu meinem Erstaunen kramt Caipora ein Handy aus ihrer Tasche, navigiert durch
die ESA-Webseiten zu einem Formular und füllt es aus.
Geräusch: [5:00] Das Piepen eines Handys.
Szene 5 – Die Enthüllung | 05:40–09:40
Geräusch: Das Piepen eines Handys. Stille. Dann ein erstickter Ausruf. Die Szene spielt in Echtzeit.
Caipora (ernst, mit unterdrückter Wut):
"Die Bürokratie ist stark. Sie hat Amerika unterworfen. Wenn man sie nicht
für die eigenen Zwecke nutzt, wird sie zum Gegner." (Pause)
"Präg dir das ein!"
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
Als "registrierte Vertreterin der Eingeborenen mit berechtigtem
Anliegen" fragt Caipora den ESA-Vorstand per E-Mail. Fünf Minuten
später – ein Piepton. Sie wird bleich.
Caipora (mit zitternder Stimme):
"Entsetzlich!"
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
Sie wiegt verstört den Kopf, murmelt Beschwörungsformeln. Ich darf sie nicht
stören. Wir steigen in den Bus zurück nach Brasilien. Nach zwei Stunden wird
sie ruhig, und ich frage:
Naiara (respektvoll):
"Warum redest du mit den Geistern, Meisterin?"
Caipora (sachlich):
"Ci war so alt wie ich jetzt, ich war in der Ausbildung, da begann im Jahr
1970 die 'Inwertsetzung ungenutzter Naturräume im Amazonasbecken' mit
dem Bau der Transamazônica. Der Staat nahm uns den Wald und ließ sie gewähren:
die Brandstifter und die Garimpeiros, die Goldwühler, Waldvernichter, Vergifter
von Böden und Flüssen. Es wurde immer schlimmer, bis Bolsonaro, der übelste
Waldschänder, verhaftet wurde. Die 'moderne Wirtschaft' bringt
unfruchtbares Land, Rinderweiden, Sojaplantagen, Bergbau, 'Holzwirtschaft'
– und frisst die Natur. Ci hat uns gelehrt, in der Zivilisation dagegen zu
kämpfen.
Und jetzt soll hier der größte Weltraumbahnhof der Erde entstehen – mit einer
Infrastruktur, die nicht mehr viel Natur übriglässt."
Caipora (eindringlich, flüsternd):
"Das hat mir die ESA geantwortet:"
Caipora (mit Vorlesestimme):
"'Wir haben das Angebot von SpaceX zum Erwerb des Centre Spatial
Guyanais abgelehnt. SpaceX will jetzt, zusammen mit PromethX, einen deutlich
größeren Weltraumbahnhof in Äquatornähe, mitten im Amazonasgebiet, bauen. Das
Xentro Espacial do Brasil soll für mehrere Starts pro Tag und für zehn
Millionen Tonnen Nutzlast pro Jahr ausgelegt sein. SpaceX und PromethX begründen
das Projekt mit dem rasant steigenden Bedarf an Startkapazitäten für den Bau
orbitaler Rechenzentren und der Notwendigkeit, das Weltall zu besiedeln. Die
Raumfahrt werde in völlig neue wirtschaftliche Dimensionen vorstoßen. Die
beiden Firmen wollen 2040 zusammen einen Jahresumsatz von zehn Billionen Dollar
erreichen.'"
Naiara (entsetzt, beginnt zu weinen):
"Sie wollen unseren Wald für immer zerstören."
Geräusch: [9:30] Der Bus bremst. Türgeräusche. Schritte auf Kies.
Szene 6 – Das Ritual & Die Waffe | 09:40–11:00
Geräusch: Nachtgeräusche – Insekten, ferne Trommeln. Ein leises Summen.
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
Nach drei Stunden hält der Bus an einer Tankstelle. In Gesellschaft von
Eingeborenen nehmen wir feierlich die Traumpflanzen zu uns.
Geräusch: [10:00] Pause. Ritualgesang im Hintergrund, dann verstummend.
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
Wir verabschieden uns und fliegen stundenlang durch den Wald, bis zu einer
Lichtung… auf der ein Koffer liegt.
Geräusch: [10:30] Der Gesang wird lauter, dann bricht er abrupt ab.
Caipora (salbungsvoll, mit Autorität):
"Ci vertraut dir. Du wirst kämpfen. Das Xentro Espacial do Brasil
von SpaceX wird nicht gebaut. Nicht ein einziger Baum wird dafür fallen. Das
ist die Queste." (Pause, dann mit Nachdruck) "Und dann wird
die Technologiebesessenheit der Welt beendet – und der Glaube an die Natur
wiederhergestellt."
Naiara (verzweifelt, fast schreiend):
"NEIN! Das ist zu groß für mich! Ich bin zu schwach! Ich bin nicht
würdig!"
Caipora (salbungsvoll, laut,
eindringlich):
"Du wirst eine Kampagne starten. Zusammen mit… (Pause) Iriqui!
Stell dich aufrecht hin, schau mir in die Augen und nimm deine Waffe aus meiner
Hand. Sie erhebt dich zur Kriegerin."
Geräusch: [10:50] Metallisches Klicken: Der Koffer wird geöffnet.
Naiara (zum Zuhörer gewandt, fasziniert):
Meine Großmutter bekam beim Initiationsritual einen starken Bogen. Heute sind
wir auf dem Stand der Technik. Ich bekomme ein Scharfschützengewehr. "Made
in Germany" steht auf dem Koffer. Ich öffne ihn.
Naiara (begeistert):
"Geil… eine Silberbüchse."
Caipora (streng, unnachgiebig):
"Präg dir ein: Die Waffe ist ein Kern unserer Kultur, aber wir halten uns
an die Gesetze." (Pause) "Also: Waffenscheinprüfung und
Disziplin! Hier dein Besitzschein. Hier dein Personalausweis. Hier ein Dossier
mit deinem neuen Lebenslauf." (Sie klatscht ein Buch auf den Koffer.)
"Auswendiglernen!"
"Und jetzt: Gewehr zusammenbauen und auf das X schießen! Dahinten auf dem
Baum – siehst du es?"
Szene 7 – Im Dschungel | 11:00–13:30
Geräusch: Dschungel, einzelne Vögel, entfernte Insekten. Ein Koffer wird geöffnet, Metallteile klicken, ein Gewehr wird zusammengesetzt. Lautes Atmen, ein einzelner Schuss, dann Stille mit Nachhall.
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
Ich packe aus, baue zusammen, lade, schieße auf das X – treffe mittenrein. Dann
zerlege ich das Gewehr wieder und packe es in den Koffer. Darin steckt noch
etwas! Ein nagelneues Handy. Ich werde nachdenklich.
Caipora (streng):
"Ist eingerichtet, Fingerabdrucksensor funktioniert, Nummern der
Gruppenmitglieder im Kontaktverzeichnis."
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
Sie hat meine Fingerabdrücke!
Caipora (streng):
"Hier ist Netz. Nimm dein Handy, verbinde dich mit Iriqui, sprich die
Formel! Jetzt!"
Naiara (zum Zuhörer gewandt):
"NEIN! Eine Queste zusammen mit meiner Ex-Mentorin Iriqui? Wir hassen
uns!"
Naiara (mit kindlicher Stimme zu sich
selbst):
"Gehorche deiner Lehrerin. Sagt der Lehrsatz."
Geräusch: Wählmelodie, Freizeichen
Brief Ci
Kurzhörspiel · 12 - 15 Minuten
Ankündigung wie bei Doku-Hörspiel:
Der Brief von Ci
Ort: Karl-May-Museum, Radebeul, 01.03.2030
Handelnde Personen:
Karl, Enthusiast / Nerd, 53
Walter, sein Cousin
Szene 1 – Karl-May-Museum, Radebeul | 00:00–02:00
Geräusch: Leise Schritte auf Holzfußboden, gedämpfte Stimmen im Hintergrund.
Karl (zum Zuhörer gewandt, ruhig, staunend):
01.03.2030. Ich bin tatsächlich im Archiv der Karl-May-Stiftung. Ich darf offiziell Manuskripte, Briefe, Artefakte in die Hand nehmen, fotografieren. Neunter Antrag in 40 Jahren, erste Genehmigung. Ein Nerd gibt nicht auf.
Geräusch: Ein Päckchen wird geöffnet, Papier knistert.
Karl (leise, zu sich selbst):
"Froschartiger Talisman. Jadeschnitzerei aus dem Amazonasgebiet." Was ist das? Da liegt noch ein Brief.
Geräusch: Kurze Stille. Karl entfaltet den Brief.
Brief (vorgelesen von Karl, leise, klar, verwundert):
"01.03.1905
Lieber Herr May,
ich bin Ci und besuche das Mädchenpensionat Internato Nossa Senhora in São Paulo. Wir Schülerinnen lieben Ihre Geschichten und wünschten uns so sehr eine weibliche Winnetou. Bitte schaffen Sie eine Heldin, die kämpfen und schießen kann! Dieses Amulett möge Ihnen dabei helfen.
Hochachtungsvoll,
Ci"
Geräusch: Papierrascheln. Karl notiert etwas. Zwei Photo-Geräusche.
Karl (nachdenklich, zum Zuhörer gewandt):
Sensationell! Das Amulett kenn ich! Woher? Ah! (Schreibgeräusch: Stift auf Papier) "Sofort nach Hause, Lechs Kosmos über Amazonen auf YouTube suchen."
Szene 2 – Karls Arbeitszimmer | 02:00–03:30
Geräusch: Ventilator surrt leise, Mausklicks. Ein Video startet. Leises, dokumentarisches Rauschen.
TerraX-Stimme (dokumentarisch, leicht blechern):
"Die ersten Europäer berichten von großen Kulturen und Städten an den Ufern des Amazonas. Städte von beeindruckenden Ausmaßen und mit großer Bevölkerungszahl."
Karl (ungeduldig; Mausklick):
Weiter.
TerraX-Stimme:
"Ein schwülwarmer Tag Ende Juni 1549. Ein Trupp spanischer Konquistadoren wird von einem Pfeilregen getroffen. Ein erbitterter Kampf zwischen den Spaniern und Indios, angeführt von wilden Frauen. So berichtet es der Dominikanermönch Gaspar de Carvajal. Diese Frauen sind groß, muskulös, hellhäutig und bis auf die Scham splitternackt. Jede kämpft wie zehn Indios. Die Spanier mussten fliehen."
Karl (angespannt; Mausrad, dann Klick):
Vor. Bis zum Amulett.
TerraX-Stimme:
"Die Icamiabas waren der Legende nach ein Stamm amazonenhafter Kriegerinnen. Sie schenkten ihren Liebhabern bei der jährlichen Zusammenkunft ein Amulett."
Geräusch: Video läuft weiter, Ton verblasst. Karls Gedanken rücken in den Vordergrund.
Karl (zum Zuhörer gewandt, nachdenklich):
Das ist es! Absenderadresse des Briefs checken! (Kurze Pause) Da sitzt heute das Instituto de Economia Construtiva – Institut für Bauwirtschaft? Die Leitung hat... (Pause) Dr. Walter Brand?
Geräusch: Gespanntes Scrollen.
Karl (erstaunt):
Tatsächlich! Das ist mein Cousin.
Geräusch: Lange Pause.
Szene 3 – Erinnerung | 03:30–06:00
Geräusch: Die Geräusche des Arbeitszimmers verblassen. Ferne Schritte, Wind, später Telefon- und Nachrichtentöne.
Karl (zum Zuhörer gewandt, ruhig):
Mit sechs Jahren gingen Cousin Walter und ich miteinander ins Karl-May-Museum. Seitdem mochten wir uns und nannten uns gegenseitig "großer Freund". Er lieh sich Abenteuerbücher aus meiner Sammlung – zu der leider auch die historische und ungekürzte Ausgabe von Casanovas Lebensgeschichte gehörte. Ich meine, die ist achtzig Kilometer weg von hier auf Schloss Dux geschrieben worden und gehört in eine gut sortierte Dresdner Abendheuerbibliothek, schon allein aus Lokalpatriotismus. Casanovas Mutter lebte hier. Sein Bruder Giovanni Battista hatte in Dresden Kinder und Enkel. Vielleicht stammt die halbe Stadt von ihnen ab.
Walter bekam die Lektüre nicht gut. Er wurde durch sie verdorben und... hatte Erfolg bei meiner Frau Eva. Er war 16. Eva 27. Ich 29. Ich erwischte sie, jagte Walter aus dem Haus und schrie ihm nach: "Lass dich nie wieder blicken!"
Geräusch: Klick. Tastaturanschlag.
Karl (zum Zuhörer gewandt, nachdenklich):
Danach war er geplagt vom schlechten Gewissen. Von der Liebe zu Eva. Von der Eifersucht auf mich. Er ging nicht mehr vor die Tür. Monatelang. Bis er – verwandelt zum Wissenschaftler – zurück ins Leben fand.
Geräusch: Schritte auf Holzfußboden.
Karl (zum Zuhörer gewandt):
Er studierte Physik in Dresden, promovierte in Berlin, ging zum CERN nach Genf. Irgendwann landete auch ich in der Schweiz, als IT-Architekt bei einer Großbank. Walter war längst eingebürgert. Ich lud ihn zu einer Wanderung über den Surenenpass nach Engelberg ein. Wir sprachen uns aus und waren wieder große Freunde.
Geräusch: Windgeräusch.
Karl (zum Zuhörer gewandt, nüchtern):
2023 brauchte ich seine Hilfe. Mein Millionenprojekt stand vor dem Scheitern. Ich bat ihn, die Projektleitung zu übernehmen.
Szene 4 – Telefonat 2023 | 06:00–08:30
Geräusch: Telefonklingeln. Walter nimmt ab. Leichte Telefonfärbung.
Walter (genervt, Bass):
Ich bin und bleibe Wissenschaftler. Die Wirtschaft hat mir nichts zu bieten. Die Wirtschaftswissenschaft ist auf dem Stand der Medizin im 17. Jahrhundert. Und der Wirtschafts-Nobelpreis ist gestiftet 1968 von der Schwedischen Reichsbank. Das ist der größte Etikettenschwindel aller Zeiten.
Karl (hämisch, Bass):
Bleib doch am Sehnsuchtsort der Big Bang Theory-Nerds. Kämpf um einen echten Nobelpreis! Ihr CERNies glaubt doch auch, ihr müsst ständig liefern und wachsen auf Kosten der Umwelt.
Ob das noch geht der Teilchenchemie? Vor hundert Jahren wär's einfacher gewesen.
Geräusch: Kurze Pause.
Karl (eindringlich):
Einundneunzig! …Kilometer Umfang soll der Future Circular Collider haben. Wozu der Aufwand an Beton, an Fossilenergie, an Technik, an Material, an wissenschaftlicher Exzellenz? Die ganze Welt tickt so. Darum wächst das Klimagasproblem. Bei der Bank könnten wir etwas dagegen unternehmen. Vergiss deine Befindlichkeit. Das Thema ist wichtig!
Walter (verdutzt):
Was willst du denn: Unternehmen?
Karl (schwülstig, theatralisch):
Es geht um ein mysteriöses Phänomen mit einem Namen aus Tausendundeiner Nacht. Entsprungen aus einem schwarzen Felsen, an dem alle Versuche, das Klima zu retten, zerschellen.
Walter (interessiert; Tastaturklicken durchs Telefon):
Wart kurz. Hab ich gleich.
Geräusch: Tastaturklicken.
Walter:
Aladdin. Von BlackRock.
Karl (mysteriös):
Aladdin optimiert den Umweltschutz aus Investments weg. Einfach weg! Wenn mein Projekt scheitert, holt sich die Bank Aladdin von BlackRock. Hilf mir, das zu verhindern!
Walter (interessiert):
Du denkst ohne Aladdin ist die Bank umweltfreundlich?
Karl (nüchtern):
Sie verdankt dem Finanzplatz Schweiz ihre Bedeutung. Sie muss mitziehen, wenn die Finanzplatzinitiative durchkommt und die Klima-Allianz sie dazu zwingt.
Walter (zweifelnd):
Ob die durchkommt?
Karl (kämpferisch):
Wenn nicht, kommt die nächste Initiative. Das Klimathema eskaliert.
Geräusch: Kurze Pause.
Karl (eindringlich):
Grad scheitert schon der dritte Projektleiter. Du verstehst was von Algorithmen. Hilf mir!
Walter (lakonisch):
Er dachte nach.
Geräusch: Stille. Telefon wird aufgelegt. Leichte Klickgeräusche.
Szene 5 – Ein Jahr später. Uetliberg | 08:30–11:00
Geräusch: Schritte auf Steinchen, Wind.
Karl (zum Zuhörer gewandt):
… gab seine Nobelpreisträume auf, und kam. Auf einem Spaziergang über den Uetliberg konnte ich ihn überzeugen… obwohl ich den Einsatz von KI plante.
Walter (belehrend, im Restaurant Uto Kulm; Stimmengewirr im Hintergrund):
"Der Stromverbrauch für KI erreicht irrwitzige Dimensionen… und der fossile Anteil im weltweiten Strommix für Rechenzentren liegt bei etwa 60 %."
Karl (eindringlich):
"Stimmt, aber nur wenn wir dem Management einen KI-Use Case liefere, haben wir ein Prestigeprojekt mit Ressourcen, Budget und Rückendeckung. Und du sorgst für Energieeffizienz."
Karl (zum Zuhörer gewandt):
Walter übernahm das Projekt, wir hatten Erfolg. Danach war er DER Energieeffizienz-Guru in Zürich und wechselte zu PromethAI, wurde Head of Zürich. Ende 2027 war er plötzlich ...verschwunden.
Ich bin jetzt im Vorruhestand und arbeite meine Bucket List ab. Auf der ganz oben steht: "Archiv der Karl-May-Stiftung erforschen". So hab' ich Walter wiedergefunden. Ich schreibe an die Kontaktadresse:
Karl (zum Zuhörer gewandt):
info@econcon.org.br
Szene 6 – Gegenwart. Karls Arbeitszimmer. Nacht | 11:00–14:00
Geräusch: Tastaturanschläge. Eine E-Mail wird geschrieben.
Karl (mit Vorlesestimme):
"Hallo Walter,
hab' ich dich entdeckt!
Im Gebäude deines Instituts war bis 1986 das Internato Nossa Senhora. Eine Schülerin namens Ci schickte 1905 ein wertvolles Artefakt nach Radebeul. Das hab' ich im Karl-May-Archiv gefunden. Foto anbei und ein Foto vom Begleitbrief. Weisst du mehr über Ci?
Meld dich mal!
Karl
Tel.: +49 17…
Econcon
Kurzhörspiel · ca. 15 Minutenn
Ankündigung wie bei Doku-Hörspiel:
Instituto de Economia Construtiva
Ort: São Paulo, Institut für
konstruktive Wirtschaft, 01.03.2030
Handelnde
Personen:
Iriqui, Aktivistin, Mentorin, Seele des Instituts 22
Naiara, Initiandin, 18
Walter, Wissenschaftler, KI-Topshot und
Gründer des Instituts, 41
Karl, Walters Cousin, 53
Szene 1 – Telefonverbindung nach São Paulo | 00:00–02:30
Geräusch: Wählgeräusch, zweimal Freiton. Szenenwechsel: Dschungelgeräusche weichen leiserem Verkehrslärm von São Paulo.
Iriqui (freundlich, durchs Telefon):
"Institut für konstruktive Wirtschaft, ich bin Iriqui."
Naiara (formell, durchs Telefon):
"Ich bin Naiara. Wir haben die Ehre einer gemeinsamen Aufgabe."
Geräusch: Auflegen. Dschungelgeräusche verschwinden abrupt; Verkehrsgeräusche werden deutlicher, dazu leises Tastaturklicken.
Iriqui (zum Zuhörer gewandt):
Endlich! Eine Kampagne. Eine Queste. Das war die Formel – ich bin im Stab. Seit
Februar 2027 wart' ich drauf.
Iriqui (genervt, mit Nachdruck):
"Und jetzt ruft ausgerechnet diese unwürdige Schlange Naiara an. Was denkt
sich Caipora dabei? Wir hassen uns!"
Iriqui (mit kindlicher Stimme):
"Die mitlernende Mentorin und die Schülerin sind in Liebe oder Hass
verbunden. Sie fordern und prüfen sich gegenseitig. So werden sie zu
Kriegerinnen."
Iriqui (zum Zuhörer gewandt):
Sagt der Lehrsatz. Klar, Hass ist eine Kraft der Wandlung – aber wie soll man
zusammenarbeiten? Was denkt sich die Alte dabei?
Szene 2 – São Paulo, Walters Institut | 02:30–05:00
Geräusch: Gedämpfter Großstadtverkehr, leises Tastaturklicken, ein Ventilator.
Iriqui (zum Zuhörer gewandt):
Die monokulturgeprägte Landwirtschaft fing in Europa vor 8.000 Jahren an und
ruiniert seit dreihundert Jahren Amerika. Unsere Agrikultur begann vor 14.000
Jahren. Für uns hat eine Pflanze eine Seele. Und sie danken es uns. Der Boden
bleibt fruchtbar, wir müssen nicht pflügen, kaum düngen. Für Walter ist die "naturnahe
Agrarökologie Südamerikas, mit vielfältigen Fruchtfolgen und
Mischkulturen" die Zukunft. Er sagt:
Walter (im Stil eines Vortrags):
"Die Wirtschaft ist destruktiv. Sie zerstört die prachtvollsten
Ökosysteme. Umweltschutz ist ein Standortnachteil, Klimaschutz ein Wachstumshemmnis.
Eine konstruktive Wirtschaft reduziert im großen Stil Klimagase und heilt die
Ökosysteme durch Agrarökologie."
Iriqui (zum Zuhörer gewandt):
Darum hat er das Instituto de Economia Construtiva gegründet, das Institut für konstruktive Wirtschaft. Walter sagt:
Statt Tech-Bros sollten Klimaschützer die Wirtschaft lenken. Wir glauben an
eine Zukunft auf der Erde, nicht an eine auf dem Mars. Durch die
Technologiebesessenheit wird die Erde dem Mars immer ähnlicher. Dabei könnte
der Finanzmarkt das Klima retten, wenn er Geld in die Reduktion von Methan
pumpen würde, statt in Portfolios von
Superreichen und in die Fossilindustrie!
Szene 3 – Nachricht vom Artefakt | 05:00–07:00
Geräusch: Kurzer Nachrichtenton. Tastaturklicken verstummt.
Walter (murmelt):
"Endlich meldet er sich."
Iriqui:
"Wer meldet sich?"
Walter (belustigt):
"Mein Cousin Karl aus Sachsen, Idol meiner Kindheit. Ich hab ihn geliebt, gehasst und dann haben wir zusammen gearbeitet."
Geräusch: Tastaturklicken setzt wieder ein.
Iriqui (erstaunt):
"Interessant! Du bist doch sonst nicht so emotional. Erzähl mehr über
Karl."
Geräusch: Tastaturklicken verstummt.
Walter (nachdenklich):
"Er hat mich vom CERN zu einer Bank gelockt, um ein Projekt zu retten.
Danach bin ich zu PromethAI, und er blieb. 2026 meldet er sich bei mir: Die
AfD gewinnt die Sachsenwahl, wenn kein Wunder geschieht. Ihre Hasskampagnen
ziehen immer mehr Wähler an. Jetzt will sie mit der KI-App 'Alternita Studio'
das Netz fluten. Kannst du bei PromethAI was dagegen unternehmen?"
Walter (nüchtern):
"Rechtsradikale Parteien waren durch Tech-Bros, Turbokapitalisten und
russische Propaganda stark. Aus Dankbarkeit haben sie ihr Land an
… diese Allianz verraten, und fluten auch noch das Netz mit Hass."
Iriqui:
"Ah! Wie die Partido Liberal bei uns. Konntest du Karl
helfen?"
Walter (lakonisch):
"Alternita Studio war irrelevant, aber ich habe weitergeforscht und
gesehen: Die eben erwähnte Allianz zieht die Fäden, an denen auch die AfD
baumelt. Ich hab ihre Propagandamaschine sabotiert. Die AfD war nach der Wahl
enttäuscht – und ich ein Jahr später auf der Flucht vor den Bösewichten. In die
Anonymität, aber auf dem Weg zu dir, Liebling."
Iriqui (schmunzelnd):
"Und wie hat dein Cousin dich jetzt gefunden?"
Walter (belustigt):
"Über unsere Adresse. Er hat einen Brief gefunden, von einem Mädchen
namens Ci im Jahr 1905, von hier verschickt. Schreibt er an info@. Anhängend
zwei Fotos. Willst du sehen? Ein Amulett und ein Brief!"
Iriqui (erstaunt, nach kurzer Pause):
"Nicht möglich!"
Walter (mit erstauntem Blick auf
Iriqui):
"Ich soll mich bei ihm melden."
Iriqui (schnell):
"Ruf ihn an! Jetzt gleich. Bitte!"
Walter (langsam):
"Ich ruf ihn morgen an. Jetzt liegt er im Bett und schläft… und wir werden
deutsch reden."
Iriqui (drängend):
"Ich kann Deutsch. Ruf ihn bitte jetzt an!"
Walter (verwundert):
"Warum ist dir das so wichtig?"
Iriqui (ungeduldig):
"Bitte!"
Szene 4 – Nächtliches Telefonat mit Karl | 07:00–11:00
Geräusch: Im Institut bleibt es leise. Beim Anruf ist Karls Stimme dumpf und müde. Telefonfärbung nur dezent.
Walter (erbost):
"Dammisiech nomol, dieses fucking antike Wählscheibentelefon!
Funktioniert das noch? Wir sind die Einzigen in der Stadt mit Kupferleitung ins
Telefonnetz und ultraschnellem Internet. (Pause) … Er nimmt nicht
ab."
Iriqui (schmunzelnd):
"Und die Einzigen mit abhörsicherer Verbindung. Versuch's nochmal.
Vielleicht schläft Karl fest."
Geräusch: Pause, Freiton, es wird abgehoben.
Karl (verschlafen):
"Karl Winkler, Hallo?"
Walter (erfreut):
"Hallo Karl, danke für dein Mail, schön, dich wieder zu hören."
Karl (müde und verwundert):
"Walter! Seit 2027 bist du spurlos verschwunden, und jetzt rufst du mitten
in der Nacht an?"
Walter (geheimnisvoll):
"Ich bin auf der Flucht. Kontakt gefährlich."
Karl (neugierig):
"Vor wem?"
Pause, keine Antwort.
Karl (im Plauderton):
"2027 warst du Leiter der Entwicklung bei PromethAI. Head
of Zürich. Plötzlich bist du weg, und im Internet steht: Weidel ruft
an, dein Name fällt, beide kichern, er sagt No Problem und Musk
persönlich fordert deinen Kopf."
Walter (lakonisch):
"Sowas nimmst du ernst?"
Karl (schmunzelnd):
"Reddit nehm' ich manchmal ernst. Außerdem ist jetzt ein Rechter Head
of Zürich, worüber sich ganz Zürich wundert. Wer hatte da wohl seine Finger
im Spiel?"
Walter (lakonisch):
"Keine Ahnung. Der CEO war von meinem Engagement für Energieeffizienz
begeistert. Ich wäre heute noch Entwicklungsleiter, wenn…"
Walter (beiläufig):
"Übrigens, du stehst auf Laut. Meine Partnerin Iriqui hört mit."
Iriqui (freundlich):
"Hallo, Karl. Ich bin Iriqui, Walters Frau."
Karl (freundlich):
"Hallo, Iki."
Karl (leutselig):
"Walter! Du HAST endlich deine Traumfrau gefunden. Gratuliere!"
Walter (belustigt):
"Blödmann!"
Karl (fragt):
"Wie kommst du in die Bau-Branche?"
Walter (erstaunt):
"Bau-Branche? Verstehe nicht."
Karl (fragt):
"Institut für Bauwirtschaft heisst deine Firma, oder?"
Walter (erklärt):
"Institut für konstruktive Wirtschaft, als Gegensatz zur allgegenwärtigen destruktiven Wirtschaft."
Karl (amüsiert):
"Ah! Jetzt willst du den Wirtschaftsnobelpreis."
Iriqui kichert
Walter (resigniert):
"Du du musst immer sticheln."
Karl (fragt):
"Also, wärst du heute noch Head of Zürich, wenn?"
Walter (lakonisch):
"Ich nichts mehr gegen Netz Nazis unternommen hätte."
Karl (neugierig):
"Und dann?"
Walter (lakonisch):
"Ich durfte zum doppelten Head-of-Zürich-Jahresgehalt raus."
Karl (erstaunt):
"Du gelernt wie man in der Branche reich wird"
Walter (lakonisch):
"Was heisst reich? Ich habe genug für ein early retirement
Walter (wütend):
auf der Flucht vor Netz Nazis...
Walter (nüchtern):
Zurück zum
Amulett."
Karl (berichtet):
"Ja, wie gesagt, ich habe die Jadeschnitzerei gefunden und einen Brief von
einem Mädchen namens Ci. Abgeschickt von deiner Adresse im Jahr 1905."
Iriqui (laut im Hintergrund):
"Komm bitte hierher, Karl!"
Karl (verdutzt):
"Nach São Paulo? Warum?"
Iriqui (beschwörend):
"Die Zeichen sagen es."
Karl (nachdenklich, nach Pause):
"Welche Zeichen, Iki? Ich fliege nicht mehr, weder nach São Paulo noch
sonst wohin."
Iriqui (eindringlich, fast wütend):
"Ich heiße Iriqui, und ich suche dir jetzt eine Frachtschiffreise nach
Porto de Santos. Wir holen dich ab. Bleib, solange du willst."
Karl (müde):
"Danke für das Angebot. Das muss ich überschlafen. Schick mir bitte die
Reisedaten per Mail."
Karl (neugierig):
"Bist du eine Amazone, Iriqui?"
Iriqui (eindringlich):
"Eine Amazonen-Kriegerin. Wir sind die Eliteeinheit der Klimabewegung.
Eben hat unsere Lehrerin Caipora zur Kampagne aufgerufen. Gleichzeitig kommt
dein Mail an – mit einem Bild des Muiraquitã und einem Brief von Ci, der
Lehrerin Caiporas. Das IST ein Zeichen, darum rufen wir mitten in der Nacht an.
Ich schicke dir jetzt die Daten von der Frachtschiffreise."
Szene 5 – Abschied und Vorfreude | 11:00–12:00
Geräusch: Kurze Pause, Mailsignal.
Karl (interessiert):
"Sind angekommen. Danke. Melde mich. Gute Nacht, Walter und Iriqui."
Iriqui
und Walter (im
Chor):
"Gute Nacht, Karl."
Geräusch: Auflegen. Raschelnde Bettwäsche, dann Stille. Ventilator wird hörbar
VIriqui (gähnt):
"Jetzt bin ich auch müde. Was machst du noch Walter?."
Walter (flucht):
"Donnerwetter! Jetzt hat mich die Sekretärin des Netzpropagandaministers erwischt! Ich hab das mail in Palantir gelöscht, aber noch nicht alle Attachements. Das mit dem Muiraquitã-Amulett hat sie gefunden. Sie ist tüchtig. Hoffentlich nimmt sie nicht meine Fährte auf"
Rollenübersicht Naiaras Queste

Naiara
Alter: 16 - 20
Stimmlage: Alt bevorzugt, präzise, kontrolliert, stolz mit unterdrückter Unsicherheit.
Rolle: Initiantin, Schülerin Caiporas, Mitschülerin Iriquis.
Charakter:
- Registriert Umweltzerstörung mit kühler Präzision.
- Fühlt sich zunächst überfordert von der Aufgabe / Queste.
- Modern und traditionell zugleich.
- Kriegerin im Werden.

Iriqui
Alter: 20 - 30
Stimme: Dunkler Alt bevorzugt, hellwach und entschlossen; selbst ihr Pathos klingt sachlich.
Rolle: Naiaras Mentorin, Walters Partnerin, Elektro- und IT-Allrounderin, Seele des Instituts für konstruktive Wirtschaft in São Paulo.
Charakter:
- Modern und traditionell zugleich.
- Hasst Naiara
- Glaubt an Walter und sein Institut
- Drängt Walter, Karl anzurufen, Drängt Karl zu kommen.

Caipora
Alter: 70 - 80
Stimme: Alt bevorzugt, Chamäleon aus autoritär, weise, verunsichert, entschlossen
Rolle: Lehrerin, Instanz und Ursprung der Queste, Ausbilderin der Amazonen-Kriegerinnen.
Charakter:
- Weise und streng.
- verbindet indigene Spiritualität mit strategischem Handeln.
- Mystisch aber auch pragmatisch.
- Kämpferin mit Erfahrung.
- sieht in Tech-Bros die neuen Bedrohungen.

Karl Winkler
Alter: 50 - 60
Stimme: Bass bevorzugt, ruhig, skeptisch, aber nicht abweisend.
Rolle: Walters Cousin aus Sachsen, IT-Architekt, Entdecker des Muiraquitã-Amuletts.
Charakter:
- Grüner Karl-May Nerd (Old-Greenhand)
- Walters Cousin und Kindheitsidol, später Rivalität, dann erfolgreiche Zusammenarbeit in Zürich
- Ist fasziniert vom Muiraquitã-Amulett
- wird er seinen Vorruhestand aufgeben?

Walter Brand
Alter: 40 - 50
Stimme: Bass bevorzugt, intellektuell und sendungsbewusst
Rolle: Wissenschaftler am CERN, später KI-Top Shot in Zürich, Gründer und Betreiber des Instituto de Economia Construtiva in São Paulo, Iriquis Partner.
Charakter:
- Wissenschaftler (mit Nobelpreishoffnung), Agrarökologie-Enthusiast, Finanz- und Öko-Rebell
- Findet die Wirtschaft destruktiv, fordert eine konstruktive Alternative.
- Flieht 2027 vor den Netz-Nazis.
- Glaubt Klimaschützer müssten die Wirtschaft lenken
- und der Finanzmarkt könnte helfen, das Klimagasproblem zu lösen.

Kuno Keller
Alter: 50 - 60
Stimme: Bass, kühl und einschüchternd
Rolle: Head
of Zürich bei PromethAI
Charakter:
- Rechter, deutscher Militärhistoriker
- Troll
- Ist jetzt statt Walter Entwicklungsleiter bei PromethAI
- Schwärmt vom techno-utopischen Expansionismus
- Hasst Walter und will ihn finden

Mara Steiner
Alter: 35 - 45
Stimme: Sobran bevorzugt, emotional, tüchtig, teamorientiert
Rolle: Teamlead Development. Berichtet direkt an Head
of Zürich bei PromethAI
Charakter:
- Karriereorientiert
- verdrängt ihre Zweifel
- steht aber zu ihren Schwächen
- fleissig und engagiert
- Analytisch und hartnäckig
- Braucht ein absurd hohes Gehalt für ihr early retirement
